FREIER LERNORT HONSFELD

Wusstest Du, dass das Wort „Schule“ ursprünglich aus dem Wort für Müßiggang oder Muße entstanden ist? Schule war ursprünglich die Zeit, in der die Schüler sich mit Zeit den Dingen widmen konnten, die sie interessierten, um daraus später ihrer Berufung – ihrem Beruf – folgen zu können. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Muße ist Gelegenheit, Möglichkeit. Schule entspricht heute vielfach nicht mehr dieser ursprünglichen Absicht und manche Schule funktioniert für manche Schüler nicht. Nach vielen Klagen und Leid haben wir beschlossen, unsere Energie nicht mehr dafür zu vergeuden, über die Zustände zu jammern, sondern etwas anderes für uns und unsere Kinder zu kreieren.

Wir lernen mit unseren Kindern seit 2012 zuhause und haben im September 2019 den freien Lernort Honsfeld gegründet. An z.Zt. drei bis vier Tagen in der Woche treffen sich in verantwortlich vorbereiteter Umgebung Jugendliche, die im Hausunterricht angemeldet sind, um zusammen zu lernen, zu leben, zu sein. Gemeinsam und auf Augenhöhe mit den Jugendlichen erarbeiten wir, was im laufenden Jahr im Rahmenplan steht, damit wir unsere Aktivitäten mit interessanten Lernmethoden darauf abstimmen und Projekte entwickeln können. So kann sogar Prozentrechnung spannend sein und die Zellteilung fesseln. Französisch (und englisch und niederländisch) sprechen wir ohne Druck und spielerisch im Sprachbad. Und wer schon einmal „Oma
plätschert in der Badewanne“ mit uns gespielt hat, weiß, wieviel Spaß Satzglieder machen können.
Viele „Schwarzbrot“themen erarbeiten wir spielerisch oder mit Lernbars, die Lust auf mehr machen und drucklos funktionieren. Auf dieser Grundlage erarbeiten wir den Stoff effektiv und haben dadurch sehr viel Zeit für alles, was es außerdem zu lernen und zu erleben gibt. 
Zusammen mit verantwortlichen Raumhaltern gestalten die Jugendlichen ihren Alltag selbst, lernen, kochen, lesen, versorgen Tiere, spielen und bewegen und informieren sich. Dabei entstehen Ideen zu Schokoladenverkostungen genauso wie nahezu-Doktorarbeiten über den Coronavirus. Und ja – zwischendurch ist auch mal eine halbe Stunde anstrengend und muss für die Inspektion einfach gemacht werden.

Der Lernort ist ein Prozess. Er wächst und gedeiht mit den Menschen, die dabei sind, und die Herausforderungen, denen wir uns stellen.
Lernen ist Leben. Lernort ist Lebensort.